#5 Corona Monitor

#5 Wie das Corona-Virus unser Verhalten beeinflusst

Alles längst Standard: Das Informationsbedürfnis ist weiterhin groß und viele Erledigungen erfolgen heute online: Kleidung, Medikamente, Lieferservices. Aber auch andere Kategorien gelangen zunehmend ins Blickfeld der Konsumenten. So steigt die Lust an Möbeln – logisch, wenn man bedenkt, dass viele Menschen derzeit hauptsächlich die eigenen vier Wände sehen. Freie Zeit wird für allerlei im und am Haus genutzt, was vor allem die Baumärkte freuen kann.
Für Singles bedeutet Corona Einsamkeit, weswegen sie sich mit einer vergleichsweise hohen Mediennutzung ablenken und aktiv beim Online Dating sind. In der Hoffnung, sich bald auch persönlich kennenzulernen – am liebsten beim Italiener um die Ecke.
Und wie reagieren die Menschen auf die Lockerungen? Skeptisch.

Mediennutzung findet einen neuen Standard in der Krise

Auch in Woche 5 des Corona Monitors liegt eine deutlich erhöhte Mediennutzung vor. Allerdings ist diese im Vergleich zu den letzten Wochen für die meisten Kanäle meist rückläufig – was wohl am guten Wetter und der „Normalisierung“ der Lage liegt. Nach der Ablenkung durch Filme während Ostern, punkten nun wieder News. (Filme -10%, News + 6% im Vergleich zur Vorwoche). Der Infobedarf ist weiterhin groß, aber konsumiert werden die News mittlerweile eher in Maßen. Während sich 56 Prozent der Bevölkerung zum Beginn der Krise mehrmals am Tag, wenn nicht sogar fast jede Stunde über die aktuellen Informationen rund um das Thema Coronavirus informiert hat, checken aktuell 55 Prozent der Befragten ein bis zwei Mal am Tag die Lage.

Neue Lösungen in der Krise kommen gut an: Autokinos sind gefragt, vor allem bei Familien mit Kindern. Knapp 20 Prozent der Familien haben während Corona im Autokino Entertainment-Abwechslung zur Couch gesucht. Die Hälfte der Familien, die noch nicht im Autokino war, kann sich den Besuch vorstellen.

In der Werbung gilt: Corona Humor kommt an. 44 Prozent der Befragten finden, Werbung mit Corona Bezug darf durchaus humorvoll sein. So gefällt z.B. die Hohes C Plakatwerbung, die mit dem Slogan „Wir danken allen, die dieses Plakat nicht sehen“ wirbt.

Für Singles gilt: Erlebnisse statt Konsum

Singles fühlen sich in der aktuellen Lage besonders einsam und füllen Stille mit Medien. Die höhere Mediennutzung zeigt sich vor allem im Radio (+17%), das zum täglichen Begleiter im Hintergrund wird. Aber auch die Zeit vorm Fernseher (+15%) oder online und in Social Media Kanälen geht nach oben (+8%). 26 Prozent der Singles nutzen auch in Zeiten von Corona Online-Dating-Portale – auch wenn diese an ihre Mitglieder appellieren, das persönliche Date erst einmal zu verschieben und sich stattdessen virtuell kennenzulernen. Das ist ein Viertel mehr als im letzten Monat. Dabei sind 21 Prozent der aktuellen Nutzer aktiver beim Online-Dating als vor Corona. Singles freuen sich auf Gesellschaft. Ein Drittel kann es kaum erwarten, endlich wieder auf Dates zu gehen. Nach der Krise gilt für die einsamen Singles daher vor allem eins: Erlebnisse vor Konsum. Sie wollen nach Corona vor allem Geld für Restaurants & Bars, Kino, Konzerte und Theater aber auch für Urlaube und Reisen – sofern wieder möglich – ausgegeben.

Fashion & Food-Delivery profitieren von der Krise.

Es ist kein Ende der Shopping Laune in Sicht. Online Shopping steigt von Woche 1 zu Woche 5 um 109%. Der Lieferservice fürs Essen zu Hause als Ersatz zum Restaurantbesuch sogar um 154%. Auch gilt weiterhin „gut gekleidet durch die Krise“: Fashion boomt. Während die Ausgaben für Elektronik, Bücher, Drogeriartikel und Lebensmittel sich nach kurzen Ausschlägen wieder einpendeln, befindet sich Fashion weiterhin im Höhenflug und steigt kontinuierlich an. Dabei kleiden sich die Deutschen vor allem für den Corona Sommer ein: Geshoppt werden insbesondere T-Shirts & Tops (60%) und Schuhe (56%). Die Krise nutzen viele, um sich sportlich zu betätigen – vielleicht sogar mehr als vor der Krise. Und dafür muss man gut ausgestattet sein. So ist Sportbekleidung auf Rang 3 der Online-Einkaufswägen. Auf der anderen Seite machen es sich die Befragten mit neuer Loungewear zu Hause gemütlich (36%).

Home Office hat Limit erreicht

Der Peak des Home Office ist vorbei und mit den ersten Corona Lockerungen kehren auch die ersten wieder ins Büro zurück. Das dürften vor allem die Personen sein, die auch vor Corona hin und wieder mal von zu Hause gearbeitet haben – hier ist ein deutlicher Rückgang um -20 Prozent zum Peak in Woche 3 zu sehen. 98 Prozent der regelmäßigen Remote-Worker arbeiten dagegen weiterhin von zu Hause aus. Die Zahl der Personen, die vorher noch nie im Home Office gearbeitet haben, steigt im Gegensatz dazu sogar weiter an.

In der Home Office Frage für die Zeit nach der Krise ist die deutsche Bevölkerung gespalten. 35 Prozent wollen häufiger als zuvor von zu Hause arbeiten; genau so viele lehnen dies jedoch ab. Warum? Grund Nummer eins ist die flexible Zeiteinteilung (67%), gefolgt von der Zeitersparnis durch die fehlende Anreise mit dem Auto (38%). Auch punktet, dass man mehr Ruhe zum Arbeiten hat (37%). Die fehlenden Kollegen sind der größte Grund gegen ein häufigeres oder sogar dauerhaftes Arbeiten von zu Hause: 34% vermissen ihre Büro-Sitznachbarn. Darüber hinaus sind 27 Prozent der Befragten davon überzeigt, dass die eigene Firma oder der Chef in Zukunft nicht will, dass man von zu Hause arbeitet. 29 Prozent lehnen das Arbeiten aus den eigenen vier Wänden in der Zukunft ab, da sie im Büro effizienter arbeiten können.

I miss my Pasta – Restaurantbesuch ja, aber mit Abstand

71 Prozent der Befragten vermissen es, auswärts essen zu gehen und freuen sich sehr auf den nächsten Restaurantbesuch. Dabei werden 85 Prozent zukünftig aber gewisse Dinge beachten: So wollen zwei Drittel der Befragten besonders darauf achten, dass genügend Abstand zum Nachbartisch besteht. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, bei der Auswahl des Lokals in Zukunft verstärkt auf die Hygiene achten zu wollen und ein Drittel möchte zunächst ausschließlich draußen sitzen. Auf die Frage, welche Küchenarten die Deutschen am meisten vermissen, gibt es eine klare Antwort: I miss my Pasta!  60 Prozent sehnen sich nach Ihrem Lieblingsitaliener um die Ecke. Danach folgen die deutsche Küche sowie griechische und chinesische Spezialitäten.

Putzen, Gärtnern und Schwitzen als neuer Zeitvertreib

Mehr freie Zeit als normalerweise steht aktuell 30 Prozent der Befragten zur Verfügung. Aber was macht man damit? Die freie Zeit wird vor allem genutzt, um das zu Hause zu verschönern. Mehr Zeit ist gleich mehr Sauberkeit, denn sauber machen und putzen ist die Top-Antwort von 58 Prozent der Befragten. Darüber hinaus wird die eigene Küche ausgiebig genutzt und 54 Prozent entwickeln ihre Kochfähigkeiten weiter. Bei den sommerlichen Temperaturen steht aber auch Gärtnern auf dem Balkon oder im Garten hoch im Kurs (46%). Um neue Blumen zu kaufen treibt es vor allem Hausbesitzer in den Baumarkt. Generell haben 36% aller Befragten während der Corona-Zeit einen Baumarkt aufgesucht. Neben handwerklichen Tätigkeiten wird auch die neu geshoppte Sportbekleidung ausgetestet – so schaffen es 41 Prozent mit regelmäßigen Sporteinheiten dieses Jahr vielleicht doch noch ihre Neujahresvorsätze umzusetzen.

Diskussionen bremsen Vorfreude auf Lockerungen

Die anhaltenden Diskussionen von Politikern und Wissenschaftlern verunsichern die Deutschen. 46 Prozent freuen sich zwar, dass es Lockerungen gibt, der Großteil der Bevölkerung (58%) sieht diese aber sehr skeptisch und will weiterhin mehr zu Hause bleiben. Unterschiede gibt es bei Betrachtung verschiedener Altersklassen: Während die Risikogruppen eher verhalten reagieren, treibt es vor allem die 14-29 Jährigen raus und die Vorfreude auf Lockerungen in der angespannten Situation ist groß. Vorfreude herrscht vor allem bei dem Gedanken, sich bald wieder mit Freunden und der Familie treffen zu können (75%), und nach Feierabend wieder in Restaurant und Bars zu gehen (56%).

Einen Dämpfer gibt es für die Geschäfte, die endlich wieder öffnen dürfen: Knapp zwei Drittel lehnen es ab, in den nächsten Tagen bummeln zu gehen. Die Lust aufs Bummeln war zwischenzeitlich zwar gestiegen; offenbar führen strenge Regeln, Maskenzwang & Co aber zu Verunsicherung und halten die Deutschen von den Einkaufsstraßen fern – und das trotz hoher Shoppinglust, wie man am gestiegenen Onlinekonsum sieht.

Auch die Tourismusbranche steht vor einer Herausforderung: Die Reiselust der Reiseweltmeister ist groß und die Vorfreude auf das Reisen nach der Krise war zwischendurch stark gestiegen. Doch die aktuellen Diskussionen, dass es „einen normalen Sommerurlaub nicht geben wird“ scheinen die Vorfreude genommen zu haben. Wenn die Beschränkungen aufgehoben werden, geht es auf Reisen innerhalb von Deutschland – sagen 53 Prozent der Befragten. Für je ein Drittel sind unsere Nachbarländer und die Mittelmeerregion die Reiseziele. Die Planung für Fernreisen bleibt auch wie in der letzten Woche auf niedrigem Niveau. 13 Prozent möchten generell weiterhin auf das Verreisen verzichten.

Den kompletten Havas Media Corona Monitor #5 können Sie kostenfrei hier lesen und herunterladen.

Zum 1. Report vom 23.03.2020.

Zum 2. Report vom 30.03.2020.

Zum 3. Report vom 06.04.2020.

Zum 4. Report vom 20.04.2020.

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