#7 Corona Monitor

#7 Wie das Corona-Virus unser Verhalten beeinflusst

Die 7. Welle zeigt eine allmähliche Rückkehr in einen “normaleren” Alltagsmodus. Die Deutschen kehren vermehrt zurück in die Büros und freuen sich auf die Lockerungen, anstatt ihnen skeptisch zu begegnen. Trotz der erneuten Gewöhnungszeit an die strengen Regeln, planen viele bereits, alte Freiheiten wieder zu genießen: zurück in die Läden und Fitnessstudios. Auch der Pessimismus in Bezug auf Urlaubsreisen ist gewichen; Deutschland als Reiseland macht Hoffnung.

Bis dahin suchen besonders die Jüngeren Ablenkung in den Medien als Ersatz für die ausgefallenen Wochenendaktivitäten. Shows und Serien stehen im Fokus. Medien scheinen für diese Zielgruppe jedoch mehr als nur Ablenkung zu sein: junge Menschen sagen, dass Medien seit Corona für sie persönlich an Bedeutung gewonnen haben.

Bedeutungsgewinn auch bei neuen Alltagshelfern: Die Befragten zeigen nicht nur ein größeres Interesse an Onlineshopping, es ist für sie auch persönlich wichtiger geworden. Gleiches gilt für Versandunternehmen und Lieferdienste, die wohl vor Corona weniger zu den „Meaningful Brands“ gehörten.

 

Bewegtbild statt Bewegung

Der 1. Mai ist traditionell ein Tag, an dem sich viel bewegt wird: von Fahrradtouren, über Spaziergänge bis hin zu Restaurantbesuchen. In diesem Jahr gilt jedoch: Bewegtbild statt Bewegung. Schuld daran waren nicht nur das Wetter, sondern auch Corona. Die Nutzung von TV, Streaming und Internet verzeichnet nach dem langen Wochenende erneute Anstiege.
Eine intensivere Nutzung liegt vor allem bei den jungen Nutzern vor: Streaming, Internet, Social Media und auch Gaming bieten Ablenkung als Ersatz für die ausgefallenen Wochenendaktivitäten. Die Spitzenreiter im TV sind zwar vor allem Shows, generell geben 41 Prozent der 14-29 Jährigen aber an, dass sie seit Corona andauernd News schauen. Für knapp die Hälfte der Befragten (47%) sind Medien heute außerdem viel wichtiger als noch vor der Krise.

Shoppinglaune trotz Existenzängsten bei Kurzarbeitern

Ein Fünftel der Befragten befindet sich aktuell in Kurzarbeit. Kurzarbeiter vertreiben sich dabei ihre Zeit mit Medien: 52 Prozent der befragten Kurzarbeiter haben in der letzten Woche deutlich mehr im Internet gesurft und waren in Sozialen Netzwerken aktiv. Zum Vergleich: Unter allen Befragten lag dieser Wert bei 43 Prozent. Darüber hinaus kommen vor allem Fernsehen (50%) und Streaming (47%) zum Einsatz, um die Zeit zu vertreiben, die sonst für das Arbeiten genutzt werden würde.

Die Hälfte der befragten Kurzarbeiter klagt über Existenzängste. Kurzarbeiter freuen sich deutlich mehr darauf, wieder ins Büro gehen zu können als die Befragten, die weiterhin normal arbeiten (43% vs. 35%). Aber trotz geringerem Einkommen in der Krise sind 31 Prozent weiterhin in Shoppinglaune und planen in den nächsten Tagen bummeln zu gehen – im Gegensatz zu nur 21 Prozent der Befragten, die nicht in Kurzarbeit sind.

Onlineshopping trotz Lockerungen

Virtuelles Shopping bleibt wichtig – auch wenn nach und nach Lockerungen umgesetzt werden und der stationäre Handel wieder seine Türen öffnet. Die Prognose ist seit Wochen auf einem konstant hohen Niveau und 89 Prozent der Befragten glauben, dass Online-Shopping auch noch in nächster Zeit stark an Bedeutung zunehmen wird.
Shoppinggarant Nummer 1 bleibt weiterhin Kleidung – sowohl online als auch offline. Zwei Drittel der 14-29 Jährigen hat in der letzten Wochen Kleidung online eingekauft und auch offline stehen Fashion Stores im Visier: Direkt hinter den Baumärkten liegen Bekleidungsgeschäfte auf Rang 2 der bereits besuchten Geschäfte. Darauf folgen Elektromärkte, Buchläden und Schuhgeschäfte.
Während sich die einen über die Lockerungen und damit mögliche Bummel durch Geschäfte freuen, klagen die anderen bereits über lange Schlangen vor Geschäften und stark eingeschränkten Einkaufserlebnissen aufgrund der besetehenden Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. So genießen Onlineshops die höchste Bedeutung in der Krise, gefolgt von der Post und anderen Versandunternehmen, Lieferservices und Supermärkten. Vor der Corona-Krise gehörten diese weniger zum deutschen Set der „Meaningful Brands“.

58 Prozent geben an, bisher auf den Besuch des stationären Handels verzichtet zu haben. Knapp die Hälfte (46%) plant auch innerhalb der nächsten zwei Wochen nicht in Geschäften einkaufen gehen zu wollen. Zwei Drittel sehen dazu schlichtweg keinen Anlass und 19 Prozent geben an, alles online bestellen zu können. 30 Prozent der Nicht-Shopper stört das notwendige Masketragen. Nur 16 Prozent möchten in der weiterhin unklaren Situation kein Geld ausgeben oder haben Angst, sich anzustecken.

Neuer Normalzustand im Lebensmitteleinzelhandel

Eingekauft wird immer noch mit Zurückhaltung, doch Entspannung ist in Sicht: Die Deutschen gehen wieder öfter pro Woche im Supermarkt einkaufen. Auch der Anteil der Befragten, die ihren gesamten Wocheneinkauf an einem Tag erledigen, sinkt erstmals wieder um 11 Prozent auf das Niveau von Woche 3 – was allerdings immer noch ein Plus von 58 Prozent im Vergleich zum „Normalzustand“ bedeutet. Auch wenn wieder öfter eingekauft wird, bleibt die durchschnittliche Anzahl der aufgesuchten Einkaufsstätten seit Woche 3 konstant niedrig bei 2,6 im Vergleich zu 4,4 in einer “normalen” Woche.

Rückkehr ins Büro – langsam und mit Vorsicht

Mit kleinen Schritten kehren die Befragten zurück ins Büro. Im Vergleich zur Vorwoche hat ca. jeder 10. Befragte seinen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden wieder gegen den Büroschreibtisch getauscht. 24 Prozent sind bereits komplett oder zumindest teilweise ins Büro zurückgekehrt. Davon sind über die Hälfte mit dem Rückholplan ihres Arbeitgebers zufrieden. Zwei Drittel der Befragten tappen aber noch im Dunkeln: für sie gibt es noch keine konkreten Planungen zur Rückkehr an den Arbeitsplatz. Home Office ist für viele auch in Zukunft denkbar: 68 Prozent werden auch nach der Corona Krise häufiger im Home Office arbeiten als zuvor. Überzeugt hat das Arbeiten von zu Hause in der Krisenzeit vor allem die Befragten, die vorher nur hin und wieder oder noch nie von zu Hause gearbeitet haben (Steigerung um 78% bzw. 67% im Vergleich zur 4. Befragungswelle).

Die Reisehoffnung hält wieder Einzug in Deutschland

Die Deutschen sind Reiseweltmeister – kein Wunder, dass nun langsam doch die Reisehoffnung zurückkehrt. Insbesondere bei Deutschlandreisen herrscht wieder mehr Optimismus. Letzte Woche waren noch 41 Prozent der befragten Urlauber davon überzeigt, dass der bereits gebuchte Urlaub in Deutschland nicht stattfinden kann. Nun sind es nur noch 27 Prozent. Auch in Bezug auf eine Reise innerhalb von Europa sind die Deutschen wieder etwas hoffnungsvoller. Fernreisen und Flügen innerhalb von Europa stehen die Reiseweltmeister dahingegen weiterhin skeptisch gegenüber.

Viele fragen sich, ob beim Reisen nach der Krise alles anders wird. Die Antwort der Deutschen lautet: Nein! Egal ob Kreuzfahrt, Camping, Clubhotel oder Backpacking: Corona scheint kein Umdenken in Bezug auf langfristige Reisepläne und Urlaubsvorlieben zu haben. In Punkto Unterkunft dürften in Zukunft jedoch Ferienhäuser einen leichten Vorzug gegenüber den normalerweise präferierten Hotelzimmern genießen.

Den kompletten Havas Media Corona Monitor #7 können Sie kostenfrei hier lesen und herunterladen.

Zum 1. Report vom 23.03.2020.

Zum 2. Report vom 30.03.2020.

Zum 3. Report vom 06.04.2020.

Zum 4. Report vom 20.04.2020.

Zum 5. Report vom 27.04.2020.

Zum 6. Report vom 04.05.2020.

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