#9 Corona Monitor

#9 Wie das Corona-Virus unser Verhalten beeinflusst

Der Lockdown ist einige Woche her, hinter den Deutschen liegen nahezu unbeschwerte Wochen und der Sommer ist endlich da – doch Corona ist weiterhin ein stetiger Wegbegleiter. Inwieweit sich die Mediennutzung, das Konsumverhalten und der Alltag der deutschen Bevölkerung durch COVID-19 verändern, untersucht der Havas Media Corona Monitor mit einer repräsentativen Onlinebefragung. Das Kernergebnis der Sommerwelle: Vieles ist wieder normal bzw. auf dem Weg dahin. Große Umbrüche in Verhalten und Wertvorstellungen sind nicht erkennbar. Einige neue Errungenschaften und Verhaltensmuster werden jedoch länger erhalten bleiben.

 

Corona hat langfristige Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Nutzung von Medien

Nachdem die Mediennutzung in den ersten vier Wochen des Corona Lockdowns durch die Decke geschossen ist, pendelt sie sich nun seit Beginn der Lockerungen wieder auf ein Vor-Corona-Niveau ein. Der Sommer ist endlich da und lockt die Menschen nach draußen; das äußert sich mitunter in einer vergleichsweisen geringen Mediennutzung. So sinkt zum Beispiel die Internetnutzung am Wochenende um 13 Minuten im Vergleich zur 7. Befragungswelle im Mai. Am Corona Hype festhalten können vor allem neue Medien wie das Streaming aber auch Podcasts, deren Nutzung sich im Gegensatz zu Fernsehen, Radio, Zeitung und Co. noch über dem Normalniveau befindet.

In der Krise haben Medien jedoch an Bedeutung gewonnen: Für die Befragten sind sie täglicher Begleiter, die wichtigste Informations- und Unterhaltungsquelle und dadurch auch ein Tor zur Außenwelt. Diese Veränderungen werden langfristig spürbar sein; insbesondere bei den Jüngeren, von denen knapp jeder Zweite angibt, dass Medien langfristig eine höhere Bedeutung für ihn haben werden. So haben die 14-29-Jährigen während des Lockdowns zum Beispiel ihre Vorliebe für Podcasts entdeckt. Die Mehrheit der Befragten wird ihren Podcast-Konsum dabei nicht wieder an die Zeit vor Corona anpassen – 21 Prozent geben stattdessen an, dass sie die Nutzung in Zukunft sogar steigern werden.
Im Fernsehen ist wieder zunehmend Sport angesagt, aber auch Filme, Serien und Shows werden weiterhin häufiger geschaut als noch zu Beginn des Jahres. Lediglich die Nachrichten büßen ein – die Befragten wollen sich wieder mit anderen Themen beschäftigten und widmen sich lieber Entertainment als immer up to date zu bleiben. Wurden in der 3. Befragungswelle noch von 71 Prozent der Befragten mehr Nachrichten als normalerweise geschaut, sind es nun ein Drittel weniger (47%).

Mehrwertsteuersenkung fördert Konsum – sowohl in den Geschäften als auch im dauerhaft boomenden Online-Shopping

Ein Konsumeinbruch ist nicht zu erwarten und die Mehrheit der Deutschen kehrt zurück in den stationären Handel. Der Einkaufsgarant Baumarkt profitiert auch weiterhin nach den flächendeckenden Ladenöffnungen: Die Hälfte der Befragten (51%) war in den letzten Wochen in einem Baumarkt. Etwas abgeschlagen folgen Bekleidungs- und Schuhgeschäfte (42% und 30%) sowie Kaufhäuser (27%). Jeder Fünfte Befragte ist weiterhin vorsichtig und war seit den Lockerungen noch in keinem einzigen Ladengeschäft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Online-Shopping weiter boomt und die Internetnutzung anführt: Im Vergleich zur 1. Befragungswelle im März stieg das Online Shopping um 286 Prozent. Geshoppt wurde zuletzt vermehrt Lesestoff für den anstehenden Sommerurlaub (+176% im Vergleich zur 1. Befragungswelle) und auch der Dauerbrenner Kleidung steht langfristig hoch im Kurs (+49%). Ausschlaggebend für einen Neukauf ist für viele Menschen die Mehrwertsteuersenkung. Am stärksten reagieren die 14-29-Jährigen auf die Preisanpassungen – jeder Dritte hat die Mehrwertsteuersenkung bereits genutzt. Spitzenreiter in den Einkaufskörben sind auch hier Kleidung sowie Schuhe mit 44 Prozent. Doch auch größere Anschaffungen werden aufgrund des Sparpotentials getätigt: Technik 28%, Möbel 26%, Haushaltsgeräte 17% und Autos 16%.

 

Deutsche gewöhnen sich an neuen Alltag – Corona bleibt jedoch immer im Hinterkopf

Corona ist nach wie vor in den Köpfen der Deutschen verankert, jedoch abstrakter: Nur 22 Prozent der Befragten kennen jemanden, der sich nachweislich mit Corona infiziert hat. Allmählich sind die Deutschen dem Thema überdrüssig, was sich deutlich im rückläufigen Informationsbedürfnis zeigt. 37 Prozent informieren sich seltener als 1-2 mal pro Tag über COVID-Neuigkeiten. 7 Prozent versuchen sogar sämtliche Informationsquellen zu meiden. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen dies auf die Infektionsketten haben wird, wenn die Deutschen wieder aus dem Sommerurlaub zurückkehren.

Die Stimmung zu den Lockerungen ist weiterhin gemischt: Die Hälfte freut sich über Lockerungen, 55 Prozent sehen diese allerdings auch skeptisch und 58 Prozent versuchen trotzdem weiterhin möglichst wenig Kontakt mit anderen zu haben. Unwohl fühlen sich die Befragten vor allem mit Indoor Aktivitäten, z.B. beim Besuch des Fitnessstudios (50%), in Kinos oder in der Kirche bzw. Moschee (47%). Auch Übernachtungen in Hotels stehen 38 Prozent sehr kritisch gegenüber. Entspannter sind die Deutschen dagegen bei einem Besuch im Zoo oder beim Outdoor Sport.
Partys und Konzerte müssen vorerst zwar warten, doch die Vorfreude groß: Fast jeder Vierte vermisst Konzerte und würde diese sobald wie möglich wieder besuchen. Und auch ein Drittel der Partygänger wollen wieder loslegen und würden direkt oder sehr bald nach der Öffnung wieder den Lieblingsclub besuchen.

 

Willkommen zu Hause – in meinem Home Office

Trotz einer langsamen Rückkehr ins Büro, geht mittlerweile mehr als die Hälfte der Berufstätigen davon aus, dass nach Corona weiterhin mehr von zu Hause gearbeitet wird als vorher. Auch wenn dem Anschein nach viele Berufstätige den Weg ins Büro wieder antreten, hat sich in den letzten zwei Monaten tatsächlich nicht viel geändert: Es arbeiten immer noch 42% der Befragten von zu Hause aus. Auch wie es mit Veranstaltungen wie Messen und Kongressen weitergehen wird, ist unklar. Jeder Dritte ist der Meinung, dass solche Events auch in Zukunft zunehmend digital stattfinden werden. 42 Prozent hoffen aber auch darauf, dass diese wieder offline stattfinden können.

 

Die deutschen packt das Reisefieber – ab an die See oder in die Berge

Auch wenn dieses Jahr weniger gereist wird, ist die Sehnsucht der Reiseweltmeister ungebrochen hoch. Für viele fällt der Sommerurlaub in diesem Jahr aus – besonders betroffen sind die 50-69-Jährigen (71%). Für die Reiselustigen war bisher die Deutsche Küste das Top-Ziel. Da vermehrt von überfüllten Stränden an der Nord- und Ostsee berichtet wird, werden für zukünftige Sommerurlaube vermehrt andere Orte in Deutschland in Betracht gezogen und es zieht die Deutschen in die Berge. Daneben stehen die Nachbarländer hoch im Kurs: Allen voran Holland, gefolgt von Österreich, Italien und Polen.
Auch der Winterurlaub liegt für viele vorerst auf Eis: Nur 50 Prozent der Winterurlauber planen ihren Winterurlaub wie üblich und können diesen dann wohl mit leeren Pisten genießen. Nachdem Deutschland als Reiseland in 2020 ausgiebig erkundet wurde, siegt langfristig das Fernweh. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll es etwa wieder nach Australien oder in die USA gehen. Gebucht wird in Zukunft dafür etwas kurzfristiger – vermutlich als Effekt von einigen Reise-Enttäuschungen in diesem Jahr.

 

Den kompletten Havas Media Corona Monitor #9 können Sie kostenfrei hier lesen und herunterladen.

Zum 1. Report vom 23.03.2020.

Zum 2. Report vom 30.03.2020.

Zum 3. Report vom 06.04.2020.

Zum 4. Report vom 20.04.2020.

Zum 5. Report vom 27.04.2020.

Zum 6. Report vom 04.05.2020.

Zum 7. Report vom 11.05.2020.

Zum 8. Report vom 18.05.2020.

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